Der Lebenslauf von Konrad Hostettler:

1959:
Am 2. August geboren.

1979:
Die Rekrutenschule war für ihn ein Greuel. Als Übermittlungsgeräte-Mechaniker war sein Arbeitsinstrument der Telex. Aus dessen Lochstreifen ergaben sich tagtäglich tausende kleiner Papier-Punkte. Auf der Wache hatte er eine Eingebung und kreierte sein erstes "Tupfen"-Ei von eben diesen Abfällen. Er zeichnete die Ornamente ganz genau vor, dann wurde jedes Papier-"Tüpfli" einzeln aufgeklebt. überhaupt war der Bleistift sein ständiger Begleiter; er zeichnete und skizzierte viel. Ob auf Servietten, Tischsets oder Zeitungen - er hinterliess fast überall seine, manchmal versteckten Spuren mit seinen Zeichnungen. Auch alle seine Holzobjekte, die Holzknöpfe und -löffel wurden stets akribisch genau vorgezeichnet.

1982:
Wettbewerb der Berner Zeitung:
1. Preis für ein "getüpfeltes" Ei
9. Preis für ein Ei zum Öffnen


1985:
Aussteller am Ostereiermärit im Casino Bern, im wunderschönen grossen Saal. Diese internationale Ausstellung gab es seit 1977. Ab 1985 war er jedes Jahr dabei.

1988:
Er beginnt mit Schnitzen. Zitat aus einem Zeitungs-Interview: " ...Ich habe zwei Hobbys. Ein halbes Jahr lang, ab Oktober bis Ostern, arbeite ich an den Eiern. Das andere halbe Jahr verbringe ich mit dem chinesischen "Nezuki". Dies ist eine traditionsreiche Schnitzart, bei der Holz aus einem Stück so ausgeschnitzt wird, dass es ineinander verflochten bleibt. Im alten China wurden diese Stücke als Beutel-Schnurhalter am Gewand getragen, das bekanntlich keine Taschen hatte. Je verschlungener sie waren, desto mehr Bedeutung kam dem Besitzer zu. Kleine Skulpturen, Broschen und Ohrringe habe ich mit dieser Schnitztechnik schon angefertigt."
An den Ostereierausstellungen (auch in Nyon und im Tessin) hatte er einen Tisch mit den Kunsteiern und hinter oder unter dem Tisch hatte er eine geheimnisvolle Schachtel, in dieser waren seine Holzsachen; er zeigte sie am Anfang nur "ausgewählten" Leuten! Mit der Zeit integrierte er seine Holz-Kunst in die Eier-Kunst.
Er konnte auch in diversen Galerien seine Werke zeigen; Journalisten von Zeitungen und Fernsehen, Sammler vom In - und Ausland hatten grosses Interesse an seinen Arbeiten. Dass er sich dabei präsentieren sollte, gefiel ihm nicht immer! Um die Eier aufschneiden zu können, kaufte er einen Zahnarztbohrer inkl. Diamanttrennscheiben; für die "Tüpfli"-Eier" kaufte er einen Telex.

2000:
Vom 7. - 9. April fand der letzte Ostereiermärit in Bern statt.
Vom 15. - 16. April stellte er zum ersten Mal im Schloss Greifensee aus. Konrad war begeistert von diesem schönen Gebäude und war bis 2005 jedes Jahr dabei, wovon etwa viermal als Jury-Mitglied!

Am 16. Oktober 2007 verstarb Konrad nach längerer Krankheit im Spital.
Koni, wir danken dir für deine Kreativität, dein vielfältiges Schaffen und die Zeit mit dir.
Wir sind unendlich dankbar, dass es dich gab.



Das Werkzeug, um die Papierpunkte auf die Eiern zu kleben.

Persönliche Erlebnisse rund um die Ostereierausstellungen von Christina Lehmann:

In den ersten Jahren des Ostermärits von Bern hatte Koni noch kein Auto und so mussten er und unsere Mutter, die immer mit grosser Begeisterung dabei war, mit Sack und Pack (Einkaufswagen, Schachteln, Taschen usw.) mit dem Zug nach Bern reisen! Konrad, der Künstler und ds Muetti, die Organisatorin waren ein super eingespieltes Team.
Den Besuchern der Ausstellungen beantwortete Konrad mit viel Geduld ihre Fragen:

"Sind diese Eier wirklich echt?",

"Wie schneidet man ein Ei auf?",

"Kann man den Reissverschluss schliessen?"

Konrads Antwort darauf: "Ja, aber nur einmal!"